Transidentität

Für den Wechsel vom angeborenen zum empfundenen Geschlecht wird eine unterschiedliche Terminologie verwendet: Transsexualität, Transidentität, Transgender, Transidenten, Trans-Frau/-Mann oder Trans*. Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Wertung werden hier zur Vereinheitlichung die Begriffe Transidentität / Transidenten gewählt.

Diverse Charakteristika tragen zur Geschlechtsidentität und -identifikation eines Individuums bei. Neben den äußeren physiologischen Merkmalen kommt der Umstellung von Stimme und Sprechweise als sekundärem Merkmal eine bedeutende Rolle zu.

Viele Transidenten erleben während der Transition häufig eine Diskrepanz zwischen ihrem äußeren Auftreten und ihrer Stimme. Sowohl in der eigenen als auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Einordnung der Stimme als weiblich oder männlich treten in der Kommunikation nicht selten Konflikte auf, die zu Problemen in der sozialen Assimilation / Integration führen können.

Phoniater und Sprachtherapeuten sind im sozialen Integrationsprozess wichtige Begleiter. Auf die Bedeutung der stimmtherapeutischen Therapie weist auch die World Professional Asociation for Transgender Health (WPATH) in ihren aktuellen Versorgungsempfehlungen hin.


Formen _ Transidentität

Die derzeitige Definition / Klassifizierung von Transsexualismus (nach ICD-10/V F64.0) wird gerade grundlegend modifiziert. Zukünftig wird sie beschrieben als Nichtübereinstimmung des Identitätsgeschlechts mit dem zugewiesenen Geschlecht in der Pubertät und als Erwachsener.

  • Frau-zu-Mann (FzM) Transidenten
    Durch die Hormontherapie wird ein Kehlkopfwachstum angeregt, was in der Folge zu einem Absinken der Stimme führt.
  • Mann-zu-Frau (MzF) Transidenten
    Durch die Hormontherapie wird die Anatomie des Kehlkopfes nicht verändert. Die Anhebung der Stimme muss in diesem Fall unter den bestehenden anatomischen Voraussetzungen erarbeitet werden.

Therapie _ Transidentität

In der Stimmtherapie mit Transidenten gilt es, eine gesunde Stimme nachhaltig zu modulieren. Gemeinsam müssen die individuellen Erwartungen, Wünsche und Zielvorstellungen mit den physiologischen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden, um der Gefahr einer Dysphonie (Stimmstörung) entgegenzuwirken. Dieser Prozess erfordert ein hohes Maß an Vertrauen und Einfühlungsvermögen zwischen Therapeut/in und Patient/in.

Ziel der Therapie ist das Erreichen einer als natürlich und authentisch empfundenen Stimme. Dies betrifft nicht nur die Sprechstimmlage, sondern auch die sprechbegleitenden Merkmale des gesamten Kommunikationsverhaltens (Haltung / Verhalten). Entscheidend ist hierbei die Selbstidentifikation mit der erarbeiteten Stimme.

Inhalte

  • Schulung der Fremd- und Eigenwahrnehmung der Stimme
  • Gezielte Stimmübungen mit unterstützenden Lautfunktionen (bruststimm-/ kopfstimmorientiert)
  • Belastbarkeitstraining der neuen Stimme ohne Überlastung des Kehlkopfes
  • Erarbeitung einer individuellen und authentischen Stimme (Experimentieren mit unterschiedlichen Stimmtypen)
  • Training von unterschiedlichen Sprechweisen (z.B. Modulation / Intonation / Sprachmelodie)
  • Erarbeitung einer individuellen und authentischen Körpersprache (z.B. Mimik / Gestik / Haltung / Bewegungen / Ausdruck)
  • Anleitung / Aufklärung / Beratung
  • Kooperation mit Psychotherapeuten / Verhaltenstherapeuten / Psychologen

Wegweiser _ Transidentität

Wann?

Die Stimmtherapie sollte bereits in der Orientierungsphase beginnen, um nach dem Coming-out eine gefestigte stimmliche Basis zu erreichen.

Wie und wo?

Bei einem Therapiebedarf erhalten Sie von Ihrem HNO-Arzt eine Verordnung für die Stimmtherapie. Die Stimmtherapie sollte in enger Kooperation mit einem Psychotherapeuten / Verhaltenstherapeuten / Psychologen stattfinden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Stimmtherapie (bei gesetzlich Versicherten über 18 Jahren ist i.d.R. eine gesetzliche Zuzahlung zu leisten).

Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf, wenn Sie Fragen haben und/oder einen Termin vereinbaren möchten.

Weblinks

Wissensplattform für Sprachtherapie und Sprachheilpädagogik
www.sprachheilwiki.de

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) e.V.
www.dgti.org

World Professional Association for Transgender Health (WPATH)
www.wpath.org


TXKöln _ Selbsthilfegruppe für Transidenten _ Köln
www.txkoeln.de

Trans-Kinder-Netz (TRAKINE) e.V. _ Eltern-Netzwerk
www.trans-kinder-netz.de

Transgender Germany (TGG) _ Netzwerk
www.blog.transgender-germany.de

Transgender Europe (TGEU) _ Europäisches Netzwerk
tgeu.org


Diplom-Psychologe Hubertus Stief-Küchler _ Köln
www.psychotherapie-stief-kuechler.de

Diplom-Psychologe Bernhard Breuer _ Bonn
www.bernhard-breuer.de


Max ist Marie _ Privates Projekt zu Transidentität
maxistmarie.kathrinstahl.com

Ich bin Stefanie _ Privates Projekt zu Transidentität
ichbinstefanie.ch