Autismus

Zum Autismus bzw. zu den Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gehören der frühkindliche Autismus, der atypische Autismus, das Asperger-Syndrom sowie das Rett-Syndrom.

Hierbei handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, insbesondere der Wahrnehmungsverarbeitung, der komplexe Störungen des zentralen Nervensystems zugrunde liegen.

Die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Autismus sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von geistiger Behinderung bis hin zu normaler Intelligenz. Einige von ihnen zeigen erstaunliche Teilleistungen im Rechnen, in technischen Disziplinen, in der Musik und auf anderen Gebieten.


Ursachen _ Autismus

Die genaue Ursache für Autismus ist nicht eindeutig geklärt. Als mögliche Ursachen gelten:

  • Genetische / neurologische Faktoren (z.B. Gehirnhautentzündung)
  • Biochemische Faktoren (z.B. erhöhter Serotoninspiegel)

Symptome _ Autismus

Die ASS haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Lokalisation und Symptomatik (siehe Formen).


Formen _ Autismus

Frühkindlicher Autismus

Der frühkindliche Autismus äußert sich in einer beeinträchtigten und auffälligen Entwicklung vor Vollendung des 2. Lebensjahres (nach ICD-10/V F84.0).

Diese lässt sich in drei Bereiche unterteilen:

Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation

  • Verzögerung der Sprachentwicklung
  • Stereotype Verwendung von Sprache (eigentümliche Verwendung von Wörtern / Phrasen)
  • Auffallende Stimmqualität und untypische Intonationsmuster
  • Häufig Störungen im Sprachverständnis (rezeptiv) oder in der Sprachproduktion (expressiv)
  • Fehlender Gebrauch kommunikativer Fähigkeiten (z.B. Gestik / Mimik)

Qualitative Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktion

  • Defizite in der sozialen Kommunikation und Interaktion (z.B. mangelnder Blickkontakt / unangemessene emotionale Signale)
  • Defizite im gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus (joint attention)

Eingeschränkte und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten

  • Starre Routinen bei alltäglichen Beschäftigungen
  • Stereotypische motorische Bewegungen

Atypischer Autismus

Der atypische Autismus äußert sich in einer beeinträchtigten und auffälligen Entwicklung nach Vollendung des 2. Lebensjahres (nach ICD-10/V F84.1).
Er gilt als mildere Variante des frühkindlichen Autismus.

Ein weiteres Abgrenzungsmerkmal zum frühkindlichen Autismus ist die nicht vollends entsprechende Symptomatik.

Der atypische Autismus tritt besonders häufig bei schwer beeinträchtigten Kindern auf, hier ist insbesondere das Sprachverständnis (rezeptiv) gestört.

Rett-Syndrom

Das Rett-Syndrom äußert sich in einer beeinträchtigten und auffälligen Entwicklung aufgrund einer Enzephalopathie zwischen dem 6. Lebensmonat und 4. Lebensjahr (nach ICD-10/V F84.2).
Auf eine weitgehend unauffällige Entwicklung folgt zunächst ein Stillstand und schließlich der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten (z.B. Laufen / Sprechen / Gebrauch der Hände). Davon betroffen sind fast ausschließlich Mädchen.

Zu den Begleitsymptomen können gehören:

  • Ataxie
  • Skoliose
  • Epilepsien
  • Atemunregelmäßigkeiten
  • Bruxismus (Zähneknirschen)
  • Apraxie
  • Handstereotypien (Bewegungen ähneln dem Händewaschen)
  • Häufig Störungen im Sprachverständnis (rezeptiv) oder in der Sprachproduktion (expressiv)
  • Fehlender Gebrauch kommunikativer Fähigkeiten (z.B. Gestik / Mimik)
  • Scheinbar mangelndes Interesse an Umwelt / Mitmenschen

Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom äußert sich in einer qualitativen Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktion (nach ICD-10 /V F84.5).
Es gilt als mildere Variante des frühkindlichen Autismus und betrifft in der Regel nur Jungen.

Folgende Symptomatik ist dabei charakterisierend:

  • Keine Verzögerung der Sprachentwicklung
  • Keine kognitive Entwicklungsverzögerung
  • Ungewöhnliche und sehr ausgeprägte Interessen
  • Stereotype Verhaltensmuster
  • Häufig auffällige Kommunikation

Therapie _ Autismus

Die Therapie beinhaltet den Aufbau und die Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten. Dabei werden Maßnahmen zur Strukturierung und Reizreduzierung erarbeitet.
Das Therapieziel ist die Vermittlung basaler, sprachrelevanter Fähigkeiten, um den Spracherwerb zu unterstützen und die Kommunikation im Alltag zu erleichtern.

Inhalte

  • Sprachlicher Aufbau
  • Erarbeitung einer individuellen Basiskommunikation (verbal / nonverbal)
  • Förderung kommunikativer Fähigkeiten
  • Einsatz von Unterstützter Kommunikation (UK): z.B. Gestik / Gebärden / Bildsymbole / elektronische Kommunikationshilfen

Bei Eltern, Angehörigen und Bezugspersonen

  • Training von Förder- und Erziehungstechniken
  • Bewältigung von Alltagssituationen
  • Umgang mit auffälligen Verhaltensweisen
  • Anleitung / Aufklärung / Beratung

Angewandte Methoden

Die Therapieplanung erfolgt auf der Basis einer individuellen Diagnostik. Dabei kommen u.a. folgende Therapiemethoden zur Anwendung (Auswahl):

  • Neurofunktionelle Reorganisation® nach Padovan, Beatriz A.E.
  • Sensorische Integration® (SI) nach Ayres, Anna Jean
  • Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) nach Wilken, Etta
  • Kölner Kommunikationsmaterialien nach Boenisch, Jens / Sachse, Stefanie K.
  • NOVAFON® _ Schallwellengerät zur lokalen Vibrationstherapie

Wegweiser _ Autismus

Wann?

Die Sprachtherapie sollte umgehend beginnen, sobald Sprach- und Kommunikationsstörungen auftreten.

Wie und wo?

Bei einem Therapiebedarf erhalten Sie von Ihrem Kinderarzt, HNO-Arzt, Phoniater, Pädaudiologen oder Kinder- und Jugendpsychiater eine Verordnung für die Sprachtherapie.
Die Sprachtherapie sollte in enger Kooperation mit einem Psychologen und Kindergarten / Schule stattfinden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Sprechtherapie (bei gesetzlich Versicherten über 18 Jahren ist i.d.R. eine gesetzliche Zuzahlung zu leisten).

Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf, wenn Sie Fragen haben und/oder einen Termin vereinbaren möchten.

Weblinks

Wissensplattform für Sprachtherapie und Sprachheilpädagogik
www.sprachheilwiki.de

Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.
www.lebenshilfe.de

Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation (isaac) e.V.
www.isaac-online.de

autismus Deutschland e.V. _ Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
w3.autismus.de

Vereinigung zur Förderung und Integration autistischer Menschen (FIAM) e.V.
www.fiam-ev.de

AutismusTherapieZentrum Köln (ATZ)
www.autismus-koeln.de

Informationsprojekt zur Wahrnehmung von autistischen Menschen
www.autismus-wahrnehmung.de

Rett Syndrom Deutschland (RSD) e.V. _ Gemeinnütziger Verein
www.rett-syndrom-deutschland.de

Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom in Deutschland e.V. _ Gemeinnütziger Verein
www.rett.de